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Forschungsprojekt Diskurse Opferverbände

 

Hans Lemberg

 

Für uns alle unerwartet ist am 3. Dezember 2009 Professor Hans Lemberg verstorben. Er gehörte der Deutsch-Tschechischen und Deutsch-Slowakischen Historikerkommission seit ihrer Gründung im Jahr 1990 an, von 1997 bis 2005 war er der Vorsitzende der deutschen Sektion.
Mit seiner freundlichen, auf Ausgleich zielenden Art hat Hans Lemberg wesentlich zum Aufbau der Kommission und zur Entstehung einer engen Zusammenarbeit zwischen tschechischen und deutschen Historikern beigetragen. Gerade in den für die Beziehungen zwischen Tschechien und Deutschland oft konfliktreichen 1990er Jahren hat er aber auch immer wieder deutlich Stellung bezogen. Versöhnungspathos war ihm ebenso fremd wie eine aufrechnende Schuld- und Opferrhetorik.

Viele seiner Arbeiten zur böhmischen, tschechischen und tschechoslowakischen Geschichte sind längst Standartwerke. Sie haben nicht nur unser Wissen über die Geschichte erweitert, sondern mit ihrem Plädoyer für Multiperspektivität unser Denken über die Geschichte selbst geprägt.
Hans Lemberg war von 1973 bis 1981 als Professor an der Universität Düsseldorf und von 1981 bis 1998 an der Philipps-Universität in Marburg tätig, zudem wirkte er im Vorstand des Collegium Carolinum, war Herausgeber der Zeitschrift „Bohemia“ und mehrerer wichtiger Editionen wie der Dokumentation über die Aussiedlung der Deutschen aus Polen nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch nach seiner Emeritierung und seinem Rückzug aus manchen Funktionen stand er uns mit seinem stupenden Wissen und seinem Rat zur Seite. Sein stets „mit unbestechlichem Blick“ formuliertes Urteil wird uns ebenso sehr fehlen wie sein feiner Humor.

Martin Schulze Wessel

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